Nalini Singh: Scherben der Hoffnung

U_9708_1A_LYX_SCHERBEN_DER_HOFFNUNG_14.IND10Ich war vor ein paar Tagen bei dem ortsansässigen Thalia, um zu schauen, ob sie vielleicht Schatten der Hoffnung von Nalini Singh schon ein paar Tage früher im Regal stehen haben. Hatten sie nicht, und ich musste mit leisem – vielleicht nicht ganz so überraschenden- Erstaunen feststellen, dass die sogenannte Romantasyecke drastisch geschrumpft ist. Ganze drei Regalreihen plus einen Präsentiertisch – vor ein paar Jahren wäre das undenkbar gewesen. Das bedeutet wohl, dass die Buchhandlungen einem neuen Trend folgen (ich schiele ganz unauffällig in die Ecke der New-Adult Romane), und Romantasy sich nach seinem Vampir-, dann Gestaltwandler-, dann Engel- und diverse andere fantastische Figuren-Hype langsam verabschiedet. In meinem eigenen Leseverhalten mache ich diese Entwicklung auch durch. Ich kann nicht sagen, ob es mit meiner persönlichen Entwicklung zu tun hat (ganz ehrlich, meinen ersten Romantasyroman habe ich mit süßen dreizehn gelesen – das ist immerhin zehn Jahre her), aber es gibt nur noch ganz wenige Vampir-, Gestaltwandler-, was-auch-immer-hauptsache-es-beißt-und-ist-heiß- Geschichten, die mich wirklich reizen. Dabei war ich zugegebener Maßen aber immer schon sehr beeinflussbar, was neue Trends anbelangt.

Einer Reihe allerdings halte ich bis heute die Treue. Nalini Singh hat für mich auf ihrem Gebiet die Hoheitsrolle und enttäuscht (fast) nie. Vielleicht liegt es daran, dass sie neben der genretypischen heißen Liebesbeziehung so schlau die verschiedenen Verwicklungen unterschiedlicher Arten mit einbindet und darstellt, welche Probleme sich nicht nur in kleinen Beziehungsmustern sondern auch im Weltgefüge ergeben können. Die zehn Jahre, die ich nun immer mal wieder (in letzter Zeit eher mal wieder als immer) zu diesem Genre greife, ist mir vergleichbares noch nicht untergekommen (und ja, ich habe sowohl Kresley Cole als auch J.R.Ward als auch Lara Adrian gelesen). Thalia konnte mich zwar nicht bedienen, dafür meine inhabergeführte Buchhandlung (ist schließlich eh besser, den lokalen Buchhandel zu unterstützen – und man, haben die eine Auswahl!) und so kommt es, dass ich Aden tatsächlich schon einen Tag vor Veröffentlichungstermin durchgelesen habe.

Klappentext laut Egmont-LYX:
Mit pochendem Schädel und seiner mentalen Kräfte beraubt, erwacht der Pfeilgardist Aden in einer finsteren Zelle. Allein der Versuch, mit dem Medialnet Kontakt aufzunehmen, verursacht unerträgliche Schmerzen. Seine Entführer haben auch Zaira in ihre Gewalt gebracht, eine seiner erfahrensten Kommandantinnen und die Frau, der sich Aden seit seiner Kindheit am meisten verbunden fühlt. Gemeinsam gelingt den beiden die Flucht, doch sie finden sich verletzt und orientierungslos in einer unwirtlichen Landschaft fernab der Zivilisation wieder. Auch wenn Zairas Kräfte schwinden, kommt Aufgeben für Aden nicht in Frage. Denn seine Feinde haben es nicht nur auf ihn, sondern auf die Vernichtung der gesamten Pfeilgarde abgesehen, und als deren Anführer ist er fest entschlossen, diejenigen zu retten, die unter seinem Schutz stehen …

Das ich den Vorgänger –Pfade des Nebels- ein bisschen enttäuschend fand, weiß ich noch. Woran es lag, kann ich beim besten Willen nicht mehr sagen. Aden erfüllt allerdings meine vollsten Erwartungen. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und Zaira (und wer jetzt nach der Lektüre des Klappentextes meckert, ich habe gespoilert, hat dieses Genre noch nicht ganz verstanden) kommt für manche vielleicht ein bisschen kurz, aber angesichts der gewaltigen Handlung, die, wenn man seit viertel vor sieben nicht schlafen kann und dann den ganzen Tag lesend im Bett verbringt, manchmal sehr verworren sein kann, kam mir das eher gelegen. Zum weiteren Inhalt schweige ich mich aus – bei Band 14 würde das ohne Spoiler nicht funktionieren.

Ich möchte diesen Beitrag dazu nutzen, meine Bewunderung für Nalini Singh zum Ausdruck zu bringen. Ich kenne keine Reihe von der Länge, die von Beginn an so gut durchdacht und geplant gewesen ist. Von Harry Potter einmal abgesehen, aber das waren ja auch „nur“ sieben Bände. Es ist absolut erstaunlich, mit welcher Hingabe und Akribie Nalini Singh dieses Universum gebaut hat – jeder Stein ist an seinem Platz. Anders als Harry Potter, die immer aus der gleichen Sicht beschrieben sind, und gänzlich anders als die Eve Dallas Reihe, die zwar noch deutlich länger ist, aber keinen erkennbaren übergeordneten Handlungsbogen hat (vom Schokodieb einmal abgesehen), baut Singh nicht nur einen einsturzsicheren Rahmen für ihre Geschichten, sondern schafft es auch noch, die verschiedenen Arten genau dann in den Vordergrund zu rücken, wenn es der Handlung gerade am besten entgegenkommt. Zwar wird es noch weitere Romane aus der Reihe von ihr geben (Leopardenwölfchen!), allerdings stehen da, soweit ich es verstanden habe, mehr die Rudel im Vordergrund und nicht die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen einer ganzen Erdbevölkerung (ob sie davon wirklich lassen kann? Wir werden sehen).

Schatten der Hoffnung ist also ein kleiner Abschluss und so dankbar ich bin, dass es weitergeht, so sehr bin ich davon überzeugt, dass sie keinen besseren Schluss hätte finden können. Auch, wenn mein Lesegeschmack sich in den letzten zehn Jahren geändert hat – und sich in den nächsten zehn Jahren ebenfalls weiterentwickeln wird – bleibt die Psy/Changeling-Welt das bibliophile Äquivalent einer Heimat, in die ich immer gerne wieder zurückkehren werde.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s