J. Lynn: Forever with you

Lasst uns über Liebesromane reden. Besser gesagt, über eine Reihe im New Adult Genre, an deren Beispiel ich festmachen kann, was mich so fürchterlich aufregt, dass meine beste Freundin und Leidenskumpanin neben mir sitzt, Popcorn auf dem Schoß, und die Show genießt. Der Artikel wird nicht spoilerfrei bleiben – sonst könnte ich nicht richtig schön meckern – deswegen sollten sich alle, die die Reihe oder das Buch nicht kennen, es aber unbedingt noch lesen wollen, ab HIER besser mit dem Lesen zurückhalten.

Es geht um die Wait for you Reihe von J. Lynn aus dem Piper Verlag. Den ersten Teil, in dem es um Avery und Cam geht, liebe ich immer noch abgöttisch. Es ist einer der wenigen New Adult Romane (neben Faking it von Cora Carmack und Into the Dark von Samantha Young), den ich immer und immer und immer wieder lesen kann. Auch der Teil aus seiner Sicht ist keineswegs langweilig sondern einfach nur – hier bitte einen schwärmerischen Seufzer einbinden. Die Teile dazwischen und danach sind gut. Nicht weltbewegend, und sie können keinesfalls an den ersten Band heranreichen, aber dennoch lesenswert.

produkt-12054Kommen wir nun zum aktuellen Teil, „Forever with you“. Hier geht es um zwei Protagonisten, die bereits in den Vorgängerromanen Nebenfiguren waren, Stephanie und Nick. Stephanie zieht zufällig in die Stadt, in der Nick als Barkeeper arbeitet und sie begegnen sich ebenso zufällig. Nicht ganz so zufällig erliegen sie ihrer körperlichen Anziehungskraft – Widerstand wäre ja auch zu viel verlangt.

Der erste Punkt, der mir in diesem Buch sehr sauer aufgestoßen ist, den ich aber eben noch verkraften konnte, war die- ACHTUNG, SPOILER! – Schwangerschaft von Avery. Ich meine, diese Frau hat noch nicht mal ihr College abgeschlossen und eine sehr aufwühlende Vergangenheit hinter sich – warum gönnt ihr Jennifer L. Armentrout nicht ein bisschen LEBEN, bevor sie Avery als Ehefrau und Mutter brandmarkt? Habe ich was gegen die Ehe? Nein. Habe ich was gegen Kinder? Um Gottes Willen, nein. Aber ich kaufe der Figur – zugegeben, die nicht aus meiner Feder stammt und die JLA besser kennt als jeder Leser – diese Entwicklung nicht ab. Ich hätte es einfach gut gefunden, wenn Avery ein bisschen mehr Zeit vergönnt gewesen wäre, um mehr Erfahrungen zu machen als einfach aufs College zu gehen und zu heiraten. Aber damit habe ich mich abgefunden. Mir bleibt kaum was anderes übrig.

Womit ich mich nicht wirklich abfinden kann, ist ein dramaturgischer Grund für Averys Schwangerschaft – nämlich, dass Stephanie durch sie bemerkt – ACHTUNG, SPOILER! –, dass sie ebenfalls schwanger ist. Zu dem Zeitpunkt im Buch war das auch wirklich keine Überraschung mehr, es gab genug Hinweise – aber muss es so vorhersehbar sein? Ich erwarte keineswegs, dass das Rad neu erfunden wird, aber ein bisschen Originalität sollte man schon bieten können.

Womit ich mich absolut NICHT abfinden kann, ist der Trend im New Adult Bereich, den Protagonisten immer mehr Verzweiflung, mehr Tod und mehr Verderben über den Kopf auszuschütten, um sich irgendwie auf dem überrannten Buchmarkt abgrenzen zu können, wodurch nur leider das Gegenteil geschieht. Die Situation, von einem One Night Stand schwanger zu sein, in einer neuen Stadt, mit einem neuen Job, ohne nennenswert soziale Kontakte, ist doch bei weitem problembelastet genug und daraus lässt sich gute, emotionale Spannung erzeugen – ACHTUNG, SPOILER! – war die Fehlgeburt da wirklich noch nötig? In meinen Augen definitiv nicht. Mir ist dieses Phänomen nicht nur im New Adult Bereich aufgefallen, sondern auch im Contemporary. Meine geliebte Samantha Young – wirklich, die Frau ist großartig und jedes ihrer Bücher steht bei mir im Regal (nur die Flammenmädchen noch nicht) – ist auch nicht von Fehlern gefeit. ACHTUNG, SPOILER: Ich habe ihr den Tod eines Jungens, nur, um ihre Protagonistin zum Umdenken zu bewegen, immer noch nicht verziehen. Solche Plotschwierigkeiten kann man auch anders lösen.

Ich habe nichts gegen eine problembelastete Vergangenheit und/oder Gegenwart und/oder Zukunft der Charaktere. Aber reicht es nicht manchmal einfach aus, dass zwei Menschen versuchen, dieses wirklich verzwickte kleine Ding namens Beziehung zu meistern, mit all den Macken, Komplikationen und Querelen, die aufeinandertreffen, wenn zwei (oder mehr, von mir aus) Menschen zusammenkommen? Muss es immer mehr, immer höher, immer grausamer werden, nur, um die letzten Neuerscheinungen in dem Bereich noch zu übertrumpfen? Für mich nicht, vielen Dank.

Wirklich schade ist mein Eigensinn bei diesem Thema. Denn wenn ich über diese Faktoren hinwegschauen könnte – was ich vielleicht kann, wenn ich das Buch noch ein Jahr sacken lasse – ist Forever with you wirklich ein tolles Buch, nach Cam und Averys Geschichte vielleicht sogar das Beste in der Reihe, da Stephanie und Nick zwei unglaublich dankbare Charaktere sind. Die beiden sind trotz der zeitweise sehr unglücklichen Handlung großartig. Stephanie, die in den vorherigen Bänden vielleicht ein bisschen unterkühlt wirkte, aber von einer unvergleichlichen Schönheit ist, bekommt in diesem Band die Chance zu zeigen, wie reflektierend und absolut unvoreingenommen sie ist. Ihre Schlagfertigkeit und ihre mangelnde Arroganz bezüglich ihres Aussehens machen sie unglaublich sympathisch. Und Nick – ach ja, Nick. Nick ist umwerfend. Klar, er kann ein Trottel sein (Stephanie übrigens genauso), aber trotz seiner Weigerung, sich auf Beziehungen einzulassen, ist er unglaublich fürsorglich und kümmernd und ein wirklich, wirklich guter Kerl. Vielleicht bin ich in ihn ein klitzekleinesbisschen mehr verliebt als in Cam – wenn das kein Kompliment ist, weiß ich auch nicht.

Wahrscheinlich hat dieses Buch darunter gelitten, dass es der letzte Tropfen war, der die oben genannten Kritikfässer zum Überlaufen gebracht hat. Wer sich davon nicht beeindrucken lässt und New Adult Bücher mag, sollte es unbedingt lesen. Ich bemühe mich jetzt, einfach darüber hinwegzusehen, damit ich bei dem zwangsläufigen Reread das Buch gebührend genießen kann.

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